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Verschiebung des Hinflugs durch Reiseveranstalter um 7 ½ Stunden nach hinten stellt Reisemangel dar

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Im November 2016 buchte ein Mann eine einwöchige Reise nach Mallorca für Ende Juli/Anfang August 2017. Als vorläufige Ankunftszeit wurde in der Reisebestätigung 12:35 mittags angegeben. Im Februar 2017 änderte die Reiseveranstalterin jedoch den Hinflug so, dass der Reisende nunmehr erst um 20 Uhr in Mallorca ankommen sollte. Obwohl der Reisende damit nicht einverstanden war, änderte die Reiseveranstalterin die Abflugzeit nicht. Der Reisende machte aufgrund dessen eine Reisepreisminderung geltend, die die Reiseveranstalterin ablehnte, und erhob schließlich Klage.

Das Amtsgericht entschied nun zu Gunsten des Klägers. Ihm stehe ein Anspruch auf Reisepreisminderung in Höhe von 40 % des von dem Kläger für den ersten Reisetrag gezahlten Reisepreises zu. Denn die Flugzeitänderung habe einen Reisemangel dargestellt.

Zwar könne nach Ansicht des Gerichts einem Reiseveranstalter ein Recht zustehen bei Vertragsschluss bestehende Unwägbarkeiten hinsichtlich der zum Reisezeitpunkt möglichen Flugzeiten dadurch Rechnung zu tragen, dass er den Zeitpunkt des Abreise und der Rückreise erst zu einem späteren Zeitpunkt festlegt. Der Reiseveranstalter dürfe aber nicht den gesamten Tag des Abflugtages als Abflugzeitraum vorsehen. Vielmehr dürfe nur innerhalb eines Zeitraums von vier Stunden eine als vorläufig bezeichnete Abflugzeit in der Reisebestätigung verändert werden. Im vorliegenden Fall habe die Beklagte die Abflugzeit um 7 ½ Stunden nach hinten verschoben, was eine gravierende und damit unzulässige Flugzeitänderung darstelle. Die deutliche Verschiebung des Hinflugs stelle daher einen Reisemangel dar. Nach Auffassung des Amtsgerichts dienen der Tag der Ab- und Anreise nicht nur der Beförderung, sondern auch der Erholung, weshalb die entsprechende Verschiebung von erheblichem Gewicht sei.

Die Rechtsprechung geht in weiten Teilen davon aus, dass der An- und Abreisetag nicht der Erholung dienen und daher mit diesem Argument keine Mängelansprüche begründet werden können. Das vorliegende Urteil bricht mit dieser Argumentation, so dass sich bei ähnlich gelagerten Fällen nunmehr durchaus Argumente finden lassen, auch am An- und Abreisetag Ansprüche geltend zu machen. Reisende könnten damit in entsprechenden Fällen auch für diese Tage einen prozentualen Ersatz des jeweiligen Tagesreisepreises erhalten.

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Fluggesellschaft darf Beförderung bei unzureichenden Reiseunterlagen verweigern

In dem zugrundeliegenden Fall wollten die Kläger, zu denen auch die zwei minderjährigen Kinder der Familie zählen, eine gemeinsame Flugreise antreten. Die Fluggesellschaft teilte der Familie jedoch am Abflug-Flughafen mit, dass eine Beförderung der Kinder nicht möglich sei, weil sich in den Kinderreisepässen Verlängerungsvermerke befanden. Für Minderjährige gelten im Zielland strenge Einreiseanforderungen, so muss z.B. stets eine Originalgeburtsurkunde vorgelegt werden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes ist zudem ein Kinderreisepass zur Einreise nur ausreichend, sofern er nicht verlängert oder aktualisiert ist. Die Kläger mussten sich zunächst neue Kinderreisepässe organisieren und konnten den Hinflug – gegen einen Aufpreis – erst am nächsten Tag antreten. Die Kläger machten im Prozess unter anderem jeweils Ausgleichsansprüche in Höhe von 600 Euro nach der europäischen Fluggastrechteverordnung geltend.

Das Amtsgericht wies die Klage nun ab und führte zur Begründung aus, dass die Beförderung nach der Fluggastrechteverordnung schon dann verweigert werden dürfe, wenn „vertretbare Gründe“ hierfür gegeben seien. Hierzu zähle die Verordnung insbesondere unzureichende Reiseunterlagen (Art. 2 Buchst. b VO (EG) Nr. 261/2004 – FluggastrechteVO). Die Entscheidung der Fluggesellschaft sei vertretbar gewesen, weil sich die Anforderungen bezüglich der Kinderreisepässe aus den aktuellen Mitteilungen des Auswärtigen Amtes und der zuständigen Behörden des Ziellandes ergäben. Es komme nicht darauf an, ob die Behörden in jedem Fall bei der Einreise auf deren Einhaltung bestünden oder insoweit ein Ermessen hätten. Eine Einreisegestattung sei nicht mit Sicherheit zu erwarten gewesen. Die Fluggesellschaft wäre, wenn sie die Kläger befördert hätte, das Risiko eingegangen, ein Bußgeld zahlen und die Rückreisekosten übernehmen zu müssen. Das sei der Beklagten jedoch nicht zumutbar gewesen. Die Fluggesellschaft sei – anders als ein Pauschalreiseveranstalter – auch nicht verpflichtet gewesen, die Kläger vor Antritt der Reise auf die Einreisebestimmungen hinzuweisen, sondern dies hätten die Kläger in eigener Verantwortung tun müssen.

Das vorliegende Urteil zeigt klar auf, inwieweit die Fluggastrechteverordnung hinsichtlich einzelner Begriffe durchaus auslegungsbedürftig ist. Weiterhin sind Reisende darauf hinzuweisen, dass ein teilweise erheblicher Unterscheid betreffend die rechtlichen Auswirkungen und Anforderungen zwischen Pauschalreisen und Einzelbuchungen besteht. Hierauf sollten Reisende verstärkt achten.

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Flugannullierung wegen Insolvenz der Fluggesellschaft: Schadensersatz des Reisenden wegen vertaner Urlaubszeit

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Ein Mann hatte für sich und seine Lebensgefährtin eine Pauschalreise gebucht. Die Reise beinhaltete auch einen Direkt-Flug in der Business-Class, welcher aufgrund der Insolvenz der Fluggesellschaft jedoch vor Beginn der Reise annulliert werden musste. Die Reiseveranstalterin bot dem Reisenden als Ausgleich eine Ersatzbeförderung in der Economy Class mit Zwischenstopp an. Die Ersatzbeförderung machte dabei auch eine Zwischenübernachtung erforderlich. Der Reisende lehnte die Ersatzbeförderung ab und kündigte den Reisevertrag. Anschließend klagte er gegen die Reiseveranstalterin auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit.

Das Landgericht Köln entschied nun zu Gunsten des Klägers. Ihm stehe ein Anspruch auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit in Höhe der Hälfte des Reisepreises, mithin € 4.630,00 zu.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass, da die Flüge des Klägers annulliert worden waren und daher der ursprünglich vertraglich vereinbarte Hinflug nicht stattgefunden habe, diesbezüglich ein Reisemangel vorgelegen habe. Zwar habe die Reiseveranstalterin selbst nicht schuldhaft gehandelt, jedoch sei ihr das vermutete Verschulden der Fluggesellschaft zuzurechnen.

Der Anspruch sei nach Auffassung des Landgerichts nicht ausgeschlossen, weil der Kläger das Angebot einer gleichwertigen Ersatzbeförderung ausgeschlagen hat. Denn die angebotene Ersatzbeförderung sei nicht gleichwertig gewesen. Es komme auch nicht darauf an, ob das Ersatzangebot zumutbar war oder nicht. Entscheidet sei allein die Gleichwertigkeit, die vorliegend nicht gegeben war.

Wie das Urteil zeigt, müssen Reisende nicht alle Ersatzangebote annehmen. Die Reisenden sind insofern nicht schutzlos gestellt. Jedoch haben Reisende vorab gründlich zu prüfen, welche Rechte Ihnen im Einzelfall zustehen.

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Verpasster Flug: Reisende müssen sich vorab über Abflugmodalitäten erkundigen

Der Kläger des zugrunde liegenden Falls buchte für sich und seine Ehefrau bei der Beklagten, einem Reiseunternehmen, eine Pauschalreise. Laut Reiseplan sollte der Hinflug am 25.10.2018 um 17.35 Uhr vom Flughafen Frankfurt am Main erfolgen. Der Kläger gab nach seinem eigenen Vortrag das Gepäck gegen 16 Uhr auf und ging anschließend unmittelbar zur Passkontrolle, wo er sich gut 90 Minuten vor Abflug eingefunden habe. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich dort bereits ca. 400 Flugpassagiere befunden, die von lediglich zwei Bundespolizisten kontrolliert werden sollten. Aufgrund dessen erreichte der Kläger mit seiner Ehefrau erst gegen 17.30 Uhr den Flugsteig, wo ihnen der Zustieg verweigert wurde. Stattdessen wurde das Gepäck der Eheleute aus dem Flugzeug wieder ausgeladen. Die Beklagte bot dem Paar gegen Zuzahlung von € 1.640,00 einen Ersatzflug an, was der Kläger wegen der Kosten aber ablehnte. Vorgerichtlich zahlte die Beklagte dem Kläger einen Stornobetrag von € 559,60 zurück. Den Restbetrag der Reisekosten verlangt der Kläger mit der vorliegenden Klage.

Das Amtsgericht gab der Klage zunächst statt und sah einen Anspruch auf Schadensersatz nach §§ 651 d Abs. 1 Satz 2, 638 Abs. 4 BGB in der zum Zeitpunkt der Durchführung der Reise geltenden Fassung als gegeben an. Dabei ging das Amtsgericht davon aus, dass die Reise mangelhaft gewesen sei, weil die Beklagte schon die Flugleistung und damit im Ergebnis die Reiseleistung insgesamt nicht erbracht habe. Die aus Sicht des Amtsgerichts vorliegende Unterbesetzung der Bundespolizei sei der Beklagten zuzurechnen, wobei es auf ein Verschulden der Beklagten als Reiseveranstalter nicht ankomme.

Gegen diese Entscheidung wandte sich die Beklagte mit ihrer Berufung und begehrte eine Aufhebung des Urteils des Amtsgerichts und eine Abweisung der Klage.

Das Landgericht schloss sich in seiner Entscheidung der Auffassung der Beklagten und wies die Klage ab. Zur Begründung führte das Gericht aus, dass es zunächst zutreffend sei, dass die Beklagte als Reiseveranstalter grundsätzlich auch ohne Verschulden für Reisemängel nach §§ 651 d Abs. 1 Satz 2, 638 Abs. 4 BGB hafte. Zugrunde zu legen sei aber der weite Mängelbegriff des § 651 c BGB. Danach hafte ein Reiseveranstalter nur, soweit sich nicht ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht oder der Reisende selbst den Mangel verschuldet hat.

Entscheidungserheblich kam es für das Landgericht deshalb darauf an, ob die von dem Kläger für die Sicherheitskontrolle sowie das Boarding eingeplanten gut 90 Minuten als ausreichend anzusehen sind. Insoweit führte die Beklagte an, dass nach ihren Empfehlungen in den Reiseunterlagen Passagiere spätestens zwei Stunden vor Abflug am Check-In-Schalter sein sollen. Den Zugang dieser Reiseunterlagen bestritt der Kläger. Dies entlaste ihn nach Auffassung des Gerichtes aber nicht, denn selbst wenn er die Reiseunterlagen mit den für ihn notwendigen Informationen tatsächlich nicht erhalten haben sollte, hätte er nämlich die Verpflichtung gehabt, sich über die Abflugformalitäten zum Beispiel beim Flughafenbetreiber zu erkundigen. Dieser wiederum empfiehlt Passagieren, sich mindestens zwei bis drei Stunden vor Abflug am Check-In-Schalter einzufinden. Dieser Empfehlung sei der Kläger nach seinem eigenen Vortrag nicht nachgekommen. Damit habe er selbst das Risiko in Kauf genommen und zu verantworten, dass nicht ausreichend Zeit für die Abflugformalitäten bleibe.

Deshalb stehe dem Kläger zur Überzeugung des Landgerichts kein Anspruch auf Schadensersatz gegen das beklagte Reiseunternehmen zu.

Das Urteil normiert sehr klar, welche Obliegenheiten die Reisenden selbst treffen. Ein bloßes Verlassen auf die Reiseunternehmen ist hierbei als unzureichend anzusehen, stattdessen treffen den Reisenden selbst erhebliche Informations- und Sorgfaltspflichten. Gerade für vergleichbare Fälle sei Reisenden daher dazu geraten, sich umfassend zu informieren und hierüber auch Nachweise zu führen, um letztlich nachweisen zu können, dass die Pflichtverletzung dem Reiseveranstalter zugerechnet werden muss.

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Kein Reisemangel wegen Borddurchsagen in anderen Sprachen

In dem zugrunde liegenden Fall hatte ein Ehemann für sich und seine Ehefrau eine Kreuzfahrtreise gebucht. Dabei wurde von der Reiseveranstalterin vertraglich „Bordsprache Deutsch“ zugesichert. Tatsächlich erfolgten die Borddurchsagen zusätzlich noch in anderen Sprachen. Anders als von den Reisenden gedacht, befanden sich auf dem Schiff neben Deutsche noch andere Nationalitäten, namentlich Franzosen und Finnen. Der Ehemann ging bei seiner Buchung von ausschließlich deutschsprachigen Mitreisenden sowie ausschließlich deutschsprachigen Durchsagen aus. Er machte daher nach der Reise eine Minderung des Reisepreises geltend. Da die Reiseveranstalterin dies nicht akzeptierte, erhob der Reisende Klage.

Das Amtsgericht wies die Klage nun ab. Dem Kläger stehe kein Anspruch auf Reisepreisminderung aufgrund der Tatsache zu, dass die Borddurchsagen auch in anderen Sprachen erfolgt seien sowie Mitreisenden anderer Nationalitäten kann Bord waren. Dies stelle keinen Mangel dar.

Nach Auffassung des Amtsgerichts habe die Beklagte durch die Zusicherung „Bordsprache Deutsch“ nicht geschuldet, dass ausschließlich deutsche Gäste an Bord sind und die Durchsagen nur auf Deutsch erfolgen. Die Durchsagen auch in anderen Sprachen habe eine zu ertragende Unannehmlichkeit dargestellt, die sich nicht vermeiden lasse, wenn auf einer internationalen Kreuzfahrtreise selbstverständlich verschiedene Nationalitäten an Bord sind. Der Kläger habe sich, so das Gericht, fragen müssen, warum er eine Fernreise in eine französisch- und englischsprachige Region antritt, wenn er sich offenbar nur unter deutschen Menschen wohlfühlt. Jedenfalls könne man bei einer Kreuzfahrt auf internationalen Hoheitsgewässern nicht erwarten, dass ich auf dem Schiff nur Personen der gleichen Nationalität befinden.

Das Amtsgericht gab schließlich zu bedenken, dass eine vertragliche Zusicherung dahingehend, dass auf dem Schiff nur deutsch gesprochen wird und sich nur deutsche Passagiere an Bord befinden, gegen den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz aus Art. 3 Abs. 1 GG und dem zivilrechtlichen Benachteiligungsverbot aus § 19 AGG verstoßen würde. Es würde eine Diskriminierung anderer Nationalitäten vorliegen.

Der Fall zeigt anschaulich, dass nicht alles, was sich Reisende vorstellen oder wünschen, Eingang in die Bewertung einer vermeintlichen Mangelhaftigkeit darstellen kann. Hier sollten Reisende sehr genau prüfen, was vertraglich geschuldet ist, um auch mit den richtigen Vorstellungen die Reise anzutreten und spätere Ärgernisse zu vermeiden.

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Fluggast darf wegen starker Alkoholisierung Beförderung versagt werden

Der Kläger des zugrunde liegenden Falls buchte für sich und seine Ehefrau bei der Beklagten eine Pauschalreise über eine Pazifikkreuzfahrt sowie Hin- und Rückflug. Die Reise an sich gab keinen Grund zur Beanstandung. Nachdem der Kläger und seine Ehefrau beim Rückflug ihre Plätze in dem Flugzeug eingenommen hatten, wurde ihnen mit der Begründung, sie seien stark alkoholisiert und fluguntauglich, nach Rücksprache mit dem Kapitän des Flugzeugs die Beförderung verweigert. Sie mussten daraufhin das Flugzeug wieder verlassen. Beide buchten sodann einen Rückflug für den Folgetag und mussten hierzu € 1.752,64 zahlen.

Diese Kosten verlangte der Kläger, letztlich erfolglos, zurück und erhob daraufhin Klage gegen die Veranstalterin. Er behauptete, die Beförderung sei zu Unrecht verweigert worden. Ihm sei neben den für den Ersatzflug aufgewendeten Kosten weiterhin ein Schaden in Form eines Umsatzverlustes als Rechtsanwalt in Höhe von mindestens 600 Euro entstanden. Die Beklagte behauptete, der Kläger und dessen Ehefrau seien zu Recht des Flugzeugs verwiesen worden, da sie reiseuntauglich gewesen seien.

Im Verfahren gab die Flugbegleiterin als Zeugin an, dass sie gerade mit dem Einsteigen der Kunden im Business-Class-Bereich beschäftigt gewesen sei, als sie eine Frau mit rotem Gesicht gesehen habe, die geweint habe und sich nach besten Kräften bemüht habe, einen Herrn mit einem rot angelaufenen Gesicht zu seinem Platz zu führen. Noch bevor dieser sich gesetzt habe, habe er nach einem Glas Champagner gefragt. Die Zeugin informierte daher den Vorgesetzten, woraufhin dieser zu dem Fazit gelangt sei, dass der Kunde nicht bis zum Zwischenstopp Dubai durchhalten werde. Daraufhin habe man ihn des Flugzeugs verwiesen. Als der Kunde mit Hilfe des Sicherheitsdienstes von Board gebracht werden sollte, habe er sich geweigert und angefangen zu schreien. Nach ein paar Minuten habe er allerdings doch Folge geleistet, derweil jedoch Drohungen ausgestoßen, als er durch die Reihen gegangen sei.

Die ebenfalls als Zeugin vernommene Chefstewardess gab an, dass beide Reisende nicht geradeaus zu ihren Sitzen gegangen seien. Die Ehefrau des Klägers sei aufgebracht gewesen und habe geweint. Sie habe zudem bei einem Vier-Augen-Gespräch beim Kläger starken Alkoholgeruch wahrgenommen, der sich an der Wand anlehnen musste, um nicht umzufallen. Sein Gesicht sei ganz rot gewesen. Als sie mit ihm gesprochen habe, seien seine Augen ganz glasig gewesen und er habe Probleme gehabt, dem Gespräch zu folgen. Er habe bestätigt, Alkohol getrunken zu haben. Der Kapitän habe dann entschieden, beide aufgrund von Reiseuntauglichkeit des Flugzeugs zu verweisen.

Das Ehepaar räumte in der Verhandlung geringfügigeren Alkoholkonsum ein.

Das Amtsgericht München gab der Beklagten Recht. Eine schuldhafte Verletzung der sich aus dem Reisevertrag ergebenden Pflicht der Beklagten zur (Rück-)Beförderung des Klägers und seiner Ehefrau liege nicht vor. Das Gericht berücksichtigt hierbei weiter, dass der Flugkapitän seine Ermessensentscheidung stets aufgrund einer vorausschauenden Einschätzung der Situation zu treffen und zahlreiche auf den Einzelfall bezogene Faktoren, wie etwa auch die Länge des jeweiligen Fluges, zu berücksichtigen habe. In die Ermessensentscheidung sei hier mithin auch eingeflossen, dass es sich um einen Langstreckenflug gehandelt habe. Der Beklagten sei vorliegend der Nachweis gelungen, dass die Verweisung des Klägers und seiner Ehefrau von Bord des Flugzeugs zu Recht erfolgt sei und damit nicht von ihr verschuldet gewesen sei.

Das Urteil zeigt vorliegend sehr klar auf, welche unterschiedlichen Interessen im Rahmen einer entsprechenden Abwägung zu gewichten sind. Fluggäste sollten hier jedoch grundsätzlich selbst prüfen, ob ihrerseits alle Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Beförderung eingehalten werden, um hier entsprechend unberechtigte Ansprüche vermeiden zu können.

Hier stehen wir, die Kanzlei WBK, Ihnen gerne zur Verfügung. Wir prüfen für Sie alle Fälle mit reiserechtlichem Bezug und beraten Sie mit Blick für das Wesentliche.

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Entschädigungshöhe bei Flugverspätungen bemisst sich bei Flugverbindungen mit Anschlussflügen nach der Entfernung zwischen Abflugort und Endziel

In dem zugrunde liegenden Fall klagte ein Fluggast gegen die Fluggesellschaft auf Zahlung einer Entschädigung wegen einer Flugverspätung. Der Fluggast hatte einen Flug von Hannover nach Schanghai gebucht. Dabei handelte es sich nicht um einen Direktflug, sondern um zwei geteilte Flüge. Es bestand nunmehr Streit darüber, ob bei der Bemessung der Höhe der Entschädigungszahlung die gesamte Flugstrecke von Hannover nach Schanghai oder nur der Teilstrecken-Flug, bei dem die Verspätung eingetreten ist, zugrunde zu legen sei. Das Amtsgericht nahm letzteres an. Dagegen richtete sich die Berufung des Fluggastes.

Das Landgerichtentschied zu Gunsten des Fluggastes und hob daher die Entscheidung des Amtsgerichts auf. Der Europäische Gerichtshof habe ausdrücklich ausgeführt, dass der Begriff „Entfernung“ im Art. 7 Abs. 1 VO im Fall von Flugverbindungen mit Anschlussflügen nur die Entfernung zwischen dem Ort des ersten Abflugs und dem Endziel umfasse. Die tatsächlich zurückgelegte Flugstrecke sei dabei unerheblich. Angesichts dieser Ausführungen des Gerichtshofs sei es damit für die Berechnung der Entschädigungszahlung unerheblich, auf welcher Teilstrecke die Ursache für die Verspätung gesetzt wurde. Faktisch sei die aus zwei Flügen bestehende Flugreise wie ein Gesamtflug hinsichtlich der zugrunde zu legenden Entfernung zu bewerten.

Das Urteil des Landgerichts dürfte für viele Reisende ein tauglicher Ansatzpunkt für die Durchsetzung entsprechender Ansprüche sein, obschon bereits die europäische Rechtsprechung dies im Grunde klar definiert hatte. Hier sollte daher im Streitfall gegenüber der Fluggesellschaft eine entsprechende Darlegung erfolgen, um die Zahlung in der geforderten Höhe zu erwirken.

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Flugannullierung aufgrund defekter Warnleuchte begründet Entschädigungsanspruch

Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde: Zwei Reisende hatten einen Kurzurlaub geplant und daher einen Flug sowie eine Unterkunft gebucht. Am Tag der Abreise wurde der Flug jedoch nach dem Boarding am Startflughafen annulliert. Grund dafür war ein Defekt an einer Warnleuchte. Aufgrund dessen rechnete die Fluggesellschaft nicht mehr mit der Durchführbarkeit des Folgefluges vor Eintritt des Nachtflugverbots und somit mit Verzögerungen im weiteren Flugablauf des Folgetages.

Da den Reisenden kein Ersatzflug angeboten wurde, stornierten sie die Unterkunft am Zielort, wodurch ihnen Stornokosten von etwa € 307,00 entstanden. Einer der Reisenden klagte schließlich gegen die Fluggesellschaft auf Zahlung einer Entschädigung und Schadensersatz wegen der Stornokosten.

Das Amtsgericht entschied zu Gunsten des Klägers. Ihm stehe nach Art. 7 Abs. 1 VO ein Anspruch auf Entschädigung wegen der Flugannullierung zu. Auf eine Befreiung von der Ausgleichszahlungspflicht wegen außergewöhnlicher Umstände gemäß Art. 5 Abs. 3 VO könne sich die Fluggesellschaft nicht berufen. Ein solcher außergewöhnlicher Umstand sei nicht in dem Defekt der Warnleuchte zu sehen. Material- oder Wartungsfehler seien vielmehr der betrieblichen Sphäre der Fluggesellschaft zuzurechnen.

Dem Kläger stehe darüber hinaus nach Ansicht des Gerichts ein Anspruch auf Schadensersatz wegen der Stornokosten zu. Die Fluggesellschaft habe durch die Flugannullierung ihre Pflicht zur Beförderung schuldhaft verletzt.

Auch wenn sich die Fluggesellschaften bei der Ablehnung von entsprechenden Ansprüchen gerne auf die sog. „außergewöhnlichen Umstände“ berufen, sollten Reisende hier sehr genau prüfen, ob diese tatsächlich vorliegen. In vielen Fällen hat die Rechtsprechung nämlich bereits festgestellt, bei welchen Defekten und Problemen diese Begründung nicht verfängt und daher weiterhin ein Anspruch besteht.

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